Skibergsteigen: Interview mit Staatsmeister Jakob Hermann

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Lerne jetzt den österreichischen Staatsmeister im Skibergsteigen kennen – im Exklusiv-Interview von Martini-Sportswear!

Von Perfektionismus, gutem Essen und der Liebe zur Natur

Mit 14 Jahren war er Österreichs jüngster Gleitschirm-Pilot. Als Jugendlicher bestritt er Skirennen, und mit 19 Jahren seinen ersten Wettkampf als Skibergsteiger. Heute ist er mehrfacher Staatsmeister im Skibergsteigen. Und er will noch höher hinaus. Die Rede ist von Jakob Hermann, Top-Athlet im österreichischen Nationalkader Skibergsteigen.

Wie ist das Multitalent zum Skibergsteigen gekommen? „Das war mit 13 Jahren, bei einer Vollmondtour mit meinen Eltern.“ Jakob war immer schon extrem ehrgeizig. Statt nur einem Karriereziel zu folgen, will er gleich drei Ziele erreichen: eine WM-Medaille, einen Individual-Weltcupsieg und einen Sieg bei der Pierra Menta, einem der bekanntesten Skitourenrennen der Alpen.

Wir durften dem 33-jährigen ÖSV-Athleten im Exklusiv-Interview Fragen über Karrierehöhe- und Tiefpunkte, Training, Freizeit und Privatleben stellen.

Fotocredits: Maurizio Torri

Karriere aktuell: „Backen & Kochen sind mein Mentaltraining.“

Was war dein größter Erfolg im Jahr 2020?

Mein erster Platz bei der Mountain Attack in Saalbach-Hinterglemm, mit Streckenrekord.

Was ist dein Ziel für diese Saison?

Nach meinem Ellbogen-Bruch am 11. November 2020 ist jetzt das erste Ziel, wieder trainieren zu können und bis Ende Jänner oder Anfang Februar für die WM und den Weltcup fit zu werden. Mein Ziel wäre es, wieder einmal auf das Podium im Weltcup zu kommen. 

Anmerkung der Redaktion: Erstes Ziel erreicht! Am 16. Januar 2021 holte sich Jakob Hermann in Praxmar kurzerhand den Sieg bei den österreichischen Staatsmeisterschaften im Individual. Und er verteidigte damit erfolgreich seinen Staatsmeister-Titel. Hier geht's zu den aktuellen Nachrichten und Ergebnissen der ÖSV-Skibergsteiger ...

Wie lang war die Trainingspause, die du einlegen musstest?

Drei Wochen ohne Sport, danach konnte ich wieder mit lockeren und kurzen Einheiten beginnen.

Kannst du auch auf andere Art und Weise trainieren, zum Beispiel im Bereich Mentaltraining?

Backen und kochen sind immer möglich, das ist mein Mentaltraining. 

Was waren der bisher größte Erfolg bzw. Rückschlag deiner Karriere?

Mein größter Erfolg war der „Fast“-Sieg beim Pierra Menta mit Kilian Jornet. Rückschlag hatte ich Gott sei Dank noch nie einen großen. Leicht problematisch war eventuell mein früherer Perfektionismus in Sachen Ernährung und Training. Ich wollte nach meinem zweiten und dritten Platz 2017 im Weltcup einfach zu viel erreichen und dachte mir, dass ich mit noch mehr Training und gewissenhafterem Essen noch mehr erreiche. Im Nachhinein war es ein Lernprozess, da die Rechnung nicht aufgegangen ist und ich mit meinem Perfektionismus das Gegenteil bewirkt habe.

Martini Sportswear: „Der Rennanzug ist mein Lieblings-Kleidungsstück.“

Welche Eigenschaften hat so ein professioneller Rennanzug? Ist er bequem?

Bequem anliegend. Es gibt nichts Schrecklicheres als einen zu weiten Anzug, der im Schritt ein blockierendes Gefühl gibt. 

Was ist für dich das Spannendste an der Entwicklung der Rennanzüge?

Der Rennanzug ist für mich immer noch nicht zu hundert Prozent ausgereift, da ich ein Perfektionist bin und immer neue Ideen habe. Aber das Spannendste war bisher bestimmt, die perfekte Passform und Taschenaufteilung zu finden.

Welches ist dein persönliches Lieblings-Piece aus der aktuellen Martini Sportswear Kollektion?

Der Rennanzug – aufgrund der super Passform.

Warum würdest du Martini Sportswear weiterempfehlen?

Weil es eine österreichische Marke ist.

Apropos Empfehlung: Kennst du schon die aktuellen Wintertrends von Martini Sportswear?

Fotocredits: Philipp Reiter, Bernhard Hörtnagl

Sport und Wettkampf: „Natur, Freiheit, Leidenschaft“

Wer ist dein großes Idol?

Kilian Jornet. [Anm.: katalanischer Skibergsteiger]

Was macht für dich die Faszination des Skibergsteigens aus?

Natur, Freiheit, Leidenschaft.

Wie bereitest du dich auf einen Wettkampf vor?

Es gibt für mich mittlerweile nicht mehr viele Rituale vor einem Wettkampf. Wichtig ist mir, dass ich am Abend davor ein gutes Essen mit reichlich Kohlehydraten bekomme. Das Frühstück ist dann immer sehr einfach, damit sich der Magen gut anfühlt: Brot, Butter, Marmelade oder Honig und Kaffee.

Vor dem Rennen entscheide ich immer nach Gefühl, wie lange ich mich aufwärme. In der Regel brauche ich aber meine 30 Minuten. Ich grenze auch die Fellauswahl schon am Tag davor auf zwei verschiedene Tourenski-Felle ein, damit ich mich voll auf den Wettkampf konzentrieren kann.

Wann ist für dich der emotional spannendste Moment eines Wettkampfes?

Kurz vor dem Ziel, beziehungsweise der Zieleinlauf. Wenn ich an die Mountain Attack zurückdenke, war ich vor der letzten Kurve den Tränen nahe.

Wie verbringst du einen klassischen Abend nach dem Wettkampf?

Wenn ich zu Hause bin, kochen meine Lebensgefährtin Andrea und ich gemeinsam. Dazu gibt es ein gutes Gläschen Rotwein, gerne auch mal zwei. Und danach machen wir meistens einen Spaziergang auf den schönen Winterwanderwegen in Werfenweng.

Welches Rennen möchtest du unbedingt einmal gewinnen?

Das Pierra Menta.

Was ist diese Saison anders, aufgrund von Corona?

Die Ungewissheit, welche Rennen stattfinden und welche nicht.

Training: „Am liebsten in der Natur!“

Trainierst du lieber allein oder im Team?

Ich trainiere meistens allein, da ich mich dann zeitlich nicht binden muss. An schönen Tagen, wenn ich ein gutes Gefühl habe, verlängere ich gerne meine Einheit und hänge eine extra Runde dran.

Im letzten Jahr habe ich es aber sehr zu schätzen gelernt, gemeinsam mit dem Team zu trainieren. Es gibt ja auch Tage, an denen man müde ist oder das Wetter richtig grauslich ist. Da fällt das Trainieren natürlich leichter, wenn man nicht allein unterwegs ist.

Wie trainierst du im Sommer?

Ich bevorzuge lange Einheiten am Rennrad, beim Laufen, Wandern oder Hike and Fly.

Welches Training ist für dich das anstrengendste?

Intervalltraining. Diese Einheiten sind in der Regel kürzer, und ich kann dabei nicht stundenlang in der Natur sein.

Wie sieht dein Training in Zeiten von Corona aus?

Für mich hat sich nicht viel geändert, da der Spitzensport aus den Lockdown-Maßnahmen ausgenommen war und wir immer trainieren konnten. Der einzige Nachteil war natürlich heuer, dass die Bergbahnen lange geschlossen waren und es schwieriger war, auf den Gletscher und wieder runter zu kommen.

Fotocredits: Jakob Herrmann

Ernährung: „Ich liebe das Backen und Kochen.“

Wie sieht deine Ernährung aus?

Ich liebe es zu backen und zu kochen und bevorzuge selbst gemachte Speisen.

  • Vor einem Training gibt es entweder einen Porridge von Verival Bio mit Apfelmus. Oder mit Beeren, die ich im Sommer gepflückt und im Tiefkühler eingefroren habe. Oder ein selbst gemachtes Brot mit Butter und Marmelade. Der Kaffee von der Werner Kaffeerösterei darf am Morgen natürlich nicht fehlen.
  • Während des Trainings esse ich selbst gebackene Lebkuchen, Energiekugeln oder -riegel und versuche auch im Winter, genug Flüssigkeit zu mir zu nehmen. Im Sommer ist bei langen Radeinheiten eine Kaffee- und Kuchenpause ein Muss.
  • Nach dem Training koche ich mir einfach das, worauf ich Lust habe. Da ich die italienische Küche liebe, gibt es sehr oft Gerichte mit Polenta, Reis oder Nudeln und frisch gegrilltes Gemüse. Dazu gibt's dann Olivenöl, Eiervariationen, Käse etc. Oder ein richtig gutes Gulasch. Natürlich ist auch der legendäre Kaiserschmarren immer ein Highlight!

Hast du einen Ernährungsplan?

Ich habe keinen fixen Plan – ich habe wieder gelernt, dass ich mir besser nicht die Frage stelle, was jetzt gesund wäre, sondern: Worauf hab' ich gerade Lust? Und dass ich kein Leberkässemmerl oder ein fettiges Cordon bleu nach dem Training esse, könnt ihr euch wahrscheinlich vorstellen. Ich habe das Glück, dass es mir leichtfällt, mich gesund zu ernähren.

Welche Lebensmittel meidest du? Auf welche möchtest du auf keinen Fall verzichten?

Ich bin absolut kein Fleischtiger. Ab und zu mal ein gutes Gulasch, Beef Tartare oder ein Hühner-Curry taugen mir schon. Bei Familienfeiern freue ich mich dann immer auf ein Schnitzel oder einen Schweinsbraten. Aber das ist nicht die Regel.

Ich bin eher der Beilagen-Typ und mag Getreide in allen Variationen, von pikant bis süß. Auf Eier und Milchprodukte will ich nicht verzichten. Wir sind in Österreich damit gesegnet, dass unsere Bauern so gute, hochqualitative Produkte erzeugen.

Ich versuche einfach, eine ausgewogene Mischkost zu mir zu nehmen und mich auf mein Gefühl zu verlassen.

Team: „Ich bin der Koch im Team.“

Versteht ihr euch alle gut untereinander?

Ja, auf alle Fälle, es gibt keinen Lagerkoller oder so etwas. Natürlich gibt es ab und zu mal Unstimmigkeiten, aber die halten sich sehr in Grenzen. Streit gibt es keinen. Eher im Gegenteil: Ich glaube, dass wir ein Team sind, das sehr gut zusammenarbeitet. Wir helfen einander gegenseitig.

Wo siehst du die Stärken des Teams?

Jeder hat unterschiedliche Stärken und kann somit die Schwächen eines anderen „ausgleichen“. Hoffi [Anm.: Christian Hoffmann] ist zum Beispiel der Wachsel-Experte, und ich hab' da gar keinen Plan. 

Welche Rolle würdest du dir im Team zuschreiben?

Koch. Nein, das war ein Scherz. Die Frage ist schwer zu beantworten. Ich kümmere mich gerne um das Drumherum, zum Beispiel in den Hotels die Essenszeiten und Gerichte für uns zu checken.

Wer trainiert am härtesten?

Paul Verbnjak.

Jakob Hermann privat: „Du bist selbst für dein Glück verantwortlich.“

Was ist dein persönliches Erfolgsrezept und Lebensmotto?

Zufriedenheit heißt nicht, alles zu haben, sondern das Beste aus allem zu machen. Du bist selbst für dein Glück verantwortlich – mach' es nicht abhängig von anderen!

Du bist ja auch erfolgreicher Gleitschirmpilot. Welchen Sport magst du lieber: Paragleiten oder Skibergsteigen?

Ich hab' das Glück, dass ich im Sommer mit dem Gleitschirmfliegen den schönsten Sport ausüben kann. Und im Winter ist es das Skibergsteigen. Ich könnte mir nicht vorstellen, zwölf Monate auf Skiern zu stehen. Die Abwechslung macht es einfach spannend.

Welche ist deine absolute Lieblings-Skitour in Österreich?

Im Hochwinter natürlich bei mir in Werfenweng das Tennengebirge. Im Frühling (Mai und Juni) sind es dann die Hohen Tauern. Ich mag es einfach, mit dem Rad zu starten und den Gipfel mit den Skiern zu besteigen. 

Vielen Dank für das Interview! 

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